LinkedIn-Kampagnen im Recruiting: Erfolgreiche Strategien für die öffentliche Verwaltung
LinkedIn ist für das Recruiting im öffentlichen Dienst längst ein zentraler Kanal geworden. Millionen qualifizierter Fach- und Führungskräfte nutzen die Plattform – und damit auch potenzielle Bewerberinnen und Bewerber für Behörden.
Doch eine bloße Präsenz reicht nicht aus. Erfolgreiches Behörden-Recruiting auf LinkedIn braucht eine klare Strategie. Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Ihre LinkedIn-Kommunikation gezielt aufbauen und für die Personalgewinnung nutzen.
Schaut man sich die Nutzerzahlen von LinkedIn an, wird deutlich, wie wichtig dieser Kanal fürs Behörden-Recruiting mittlerweile ist. Schließlich nutzen diesen immerhin 26 Millionen Menschen in Deutschland. Die Mehrheit ist zwischen 20 und 59 Jahren alt und verfügt über einen Fach- oder Hochschulabschluss – sind also potenzielle Fach- und Führungskräfte für den öffentlichen Dienst.
Eine LinkedIn-Präsenz allein reicht allerdings nicht. Wichtig ist eine klare Strategie. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie diese entwickeln.
Schritt 1: Schärfen Sie Ihr Arbeitgeberprofil
Bevor Sie Content erstellen, brauchen Sie Klarheit über Ihre Arbeitgebermarke. Beantworten Sie diese Fragen gemeinsam im Team:
Ihre Werte und Identität:
- Was macht Ihre Behörde als Arbeitgeber besonders?
- Welche Werte leben Sie im Arbeitsalltag?
- Was schätzen Ihre Mitarbeitenden am meisten – und wo gibt es Verbesserungspotenzial?
Ihre Botschaften:
- Welche konkreten Vorteile bieten Sie (flexible Arbeitszeiten, Vereinbarkeit, sinnstiftende Arbeit)?
- Womit heben Sie sich von anderen Behörden und privaten Arbeitgebern ab?
- Welche authentischen Geschichten können Sie erzählen?
Praxisbeispiel Stadt Schorndorf
Die Stadt Schorndorf zeigt vor allem mit Videos, wie vielfältig und lebendig die Arbeit bei der Stadtverwaltung ist. Pro Woche gibt es regelmäßig 2 bis 3 Beiträge – damit konnte die Seite immerhin schon 1.200 Follower:innen gewinnen.
Schritt 2: Definieren Sie Ihre Zielgruppen präzise
LinkedIn erreicht nicht alle – Instagram, TikTok oder YouTube sprechen andere Zielgruppen an. Überlegen Sie daher genau: Wen wollen Sie auf LinkedIn ansprechen?
Beispiel aus der Praxis: Ein wissenschaftliches Bundesinstitut identifizierte zwei Hauptzielgruppen:
- Young Professionals: Hochschulabsolventen zwischen 25 – 35 Jahren, die weiter wissenschaftlich arbeiten möchten
- Erfahrene Wissenschaftler:innen: 40+ Jahre, mit internationaler Expertise
Die Lösung: Der allgemeine LinkedIn-Feed bietet Einblicke in Forschungsprojekte und Arbeitskultur – für beide Gruppen relevant. Zusätzlich wurde ein spezialisierter Science-Newsletter etabliert, der gezielt erfahrene Fachkräfte mit Tiefenwissen anspricht.
TIPP
Legen Sie für jede Zielgruppe ein konkretes Profil an:
Alter, Qualifikation, Karrierephase, Bedürfnisse und bevorzugte Content-Formate.
Schritt 3: Entwickeln Sie Ihre Content-Säulen
Jetzt geht es ans Eingemachte: Womit bespielen Sie Ihre Seite regelmäßig?
Themen identifizieren
Definieren Sie 3 bis 5 wiederkehrende Themenschwerpunkte, die zu Ihrer Arbeitgebermarke und Ihren Zielgruppen passen:
- Einblicke in den Arbeitsalltag: Mitarbeiter-Porträts, „Ein Tag bei…“, Projektvorstellungen
- Fachwissen und Expertise: Hintergrundinformationen zu Ihrem Fachgebiet, Forschungsergebnisse
- Arbeitgeberkultur: Team-Events, Weiterbildungsangebote, Work-Life-Balance-Initiativen
- Karriere und Entwicklung: Einstiegsmöglichkeiten, Karrierepfade, Trainee-Programme
- Gesellschaftliche Relevanz: Impact Ihrer Arbeit, Projekte mit Bürgerbeteiligung
Praxisbeispiel Bundesverwaltungsamt
Die Behörde setzt auf eine ausgewogene Mischung aus informativen Karriere-Posts (Stellenausschreibungen mit Kontext), unterhaltsamen Einblicken (Mitarbeiter-Interviews, Büro-Rundgänge) und Service-Themen (Tipps für Bewerbungen im öffentlichen Dienst). Diese Vielfalt macht die Seite lebendig und ansprechend.
Formate festlegen
LinkedIn belohnt vielfältigen Content. Nutzen Sie verschiedene Formate:
- Slideshows: Ideal für Schritt-für-Schritt-Anleitungen oder „10 Gründe für…“-Beiträge
- (Vertikale) Videos: Kurze Clips (30-90 Sekunden) für Mitarbeiter-Statements oder Arbeitsplatz-Eindrücke
- Bilder mit Text-Overlays: Zitate, Fakten, Ankündigungen
- Newsletter: Längere Texte mit Infografiken, Verweisen und engerer Bindung an die Zielgruppe
WICHTIG
Ergänzen Sie jedes Format mit einem substanziellen Text (mindestens 800 – 1.200 Zeichen).
Im Hinblick auf das neue KI-System von LinkedIn „360 Brew“ ist das ein wichtiger Punkt.
Posting-Frequenz realistisch planen
Qualität schlägt Quantität. Analysieren Sie ehrlich:
- Wie viel Kapazität hat Ihr Team?
- Wer erstellt Content, wer gibt frei, wer postet?
- Welche Frequenz können Sie dauerhaft halten?
Empfehlung: Lieber alle zwei Wochen ein durchdachter, hochwertiger Beitrag als sporadische Aktionismus-Phasen. Mit Konsistenz bauen Sie Vertrauen und Reichweite auf.
Praxisbeispiel Bundesamt für Verfassungschutz
Das Bundesamt für Verfassungsschutz postet etwa 2 bis 3 Mal pro Woche und zeigt die Vielfalt der Jobmöglichkeiten. Gleichzeitig beantwortet es informativ und gut verständlich Fragen rund um die Arbeit als Verfassungsschützer:in: vom Arabisch-Experten über den juristischen Dienst bis zur Geräteverwaltung. Mittlerweile folgen 45.000 Nutzer:innen den Beiträgen auf LinkedIn.
Schritt 4: Lernen Sie aus Ihren Daten
LinkedIn Analytics liefert wertvolle Erkenntnisse. Analysieren Sie mindestens monatlich:
- Follower-Wachstum
- Wie entwickelt sich Ihre Community?
- Vergleichen Sie mit ähnlichen Behörden (Benchmark)
- Welche Beiträge brachten besonders viele neue Follower?
- Reichweite und Impressionen
- Welche Posts erreichten besonders viele Menschen?
- Zu welchen Uhrzeiten und Wochentagen performt Ihr Content am besten?
- Wie viele Menschen außerhalb Ihrer Follower erreichen Sie (organische Reichweite)?
- Engagement-Rate
- Bei welchen Themen und Formaten reagieren Menschen (Likes, Kommentare, Shares)?
- Welche Beiträge erzeugen Gespräche?
- Die Faustregel: Eine Engagement-Rate ab 2% ist gut, ab 5% sehr gut
- DemografieIhrer Follower
- Entspricht Ihr Publikum Ihrer Zielgruppe?
- Wo müssen Sie nachsteuern?
- Welche Branchen und Karrierestufen sind vertreten?
TIPP
Erstellen Sie eine einfache Excel-Tabelle mit monatlichen KPIs.
So erkennen Sie Trends und können Ihre Strategie kontinuierlich anpassen.
Bonus: Corporate Influencer einbinden
Ihre größten Multiplikatoren sind Ihre Mitarbeitenden. Ermutigen Sie sie:
- Behörden-Posts zu teilen (mit eigener Einordnung)
- Selbst über ihre Arbeit zu berichten
- Als Fachexpert:innen sichtbar zu werden
Fazit: Strategie schafft nachhaltige Sichtbarkeit
LinkedIn-Recruiting funktioniert nicht über Nacht. Aber mit einer klaren Strategie, authentischem Content und kontinuierlicher Analyse bauen Sie systematisch eine Community auf, die zu Bewerbungen führt.
