Rems-Murr-Kreis: Digitalisierung mit dem Drei-Zonen-Konzept
Digitalisierung gelingt selten allein durch Technik. Sie braucht Strukturen, Arbeitsweisen und Räume, die sie tragen. Genau hier setzt der Rems-Murr-Kreis an – und gestaltet kurzerhand die Verwaltungsgebäude völlig um. Für diesen Ansatz wurde der Kreis mit dem 3. Platz in der Kategorie „Digitalisierung & Innovation” ausgezeichnet.
Warum überhaupt ein neues Raumkonzept nötig war
Wie viele Verwaltungen stand auch der Rems-Murr-Kreis vor einer bekannten Mischung aus Herausforderungen: stetig wachsende Aufgaben, hoher Publikumsverkehr, knapper Platz und ein Gebäudebestand, der für digitale Arbeitsprozesse kaum geeignet war. Dazu kamen verstreute Bürostandorte und sehr unterschiedliche Arbeitsbedingungen.
Früh wurde klar: Eine digitale Verwaltung braucht mehr als Software. Sie braucht Räume, Abläufe und eine Logik, die Digitalisierung ermöglicht statt behindert. Das Drei-Zonen-Modell entstand als Antwort auf genau diese strukturellen Probleme.
Das Drei-Zonen-Modell: Struktur schafft Modernisierung
Das Modell ordnet die Verwaltung in drei klar definierte Bereiche:
- Öffentliche Zone: Servicepunkte statt unübersichtlicher Flursituationen
- Halböffentliche Zone: Beratungsräume, die Diskretion, Sicherheit und passende Gesprächsumgebungen bieten
- Interne Zone: Arbeitsbereiche ohne Publikumsverkehr, ausgestattet für mobiles Arbeiten, digitale Aktenführung und Konzentration
Besonders überzeugend ist die Haltung dahinter: Die Verwaltung versteht Räume nicht mehr als rein funktionale Quadratmeter, sondern als Dienstleistungsarchitektur, die Bürger:innen wie Mitarbeitende gleichermaßen unterstützt. Diese Struktur schafft Sicherheit, Orientierung – und ermöglicht digitale Prozesse erst in ihrer ganzen Tiefe.
Wie die Mitarbeitenden einbezogen wurden
Ein Konzept dieser Größenordnung funktioniert nur, wenn die Mitarbeitenden mitgehen. Deshalb hat der Kreis frühzeitig strukturiert erhoben, wie Teams arbeiten, welche Anforderungen bestehen und wo Anpassungen nötig sind. Workshops, Gespräche und Bedarfsanalysen sorgten dafür, dass das Drei-Zonen-Modell nicht „von oben“ verordnet wurde, sondern sich aus dem tatsächlichen Arbeitsalltag ableitete.
Das Ergebnis ist eine Raumlogik, die für Diskretion sorgt, kurze Wege schafft und unterschiedliche Arbeitsstile berücksichtigt – vom telefonintensiven Sachgebiet bis zum ruhigen Fokusteam.
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Die Wirkung: spürbare Entlastung und messbare Verbesserungen
Seit der Einführung zeigen sich deutliche Effekte. Die neuen Arbeitsumgebungen werden von den Mitarbeitenden als sicherer, moderner und insgesamt angenehmer wahrgenommen. Auch organisatorisch wirkt das Konzept: Die Servicequalität steigt, weil Beratungen in passenden Räumen stattfinden und der öffentliche Bereich klar strukturiert ist. Datenschutz und Sicherheit profitieren ebenfalls von der Trennung der Zonen.
Parallel arbeitet die Verwaltung heute nahezu papierlos und digital organisiert. Das Desk-Sharing hat sich als praktikabel erwiesen, Standorte konnten sogar verdichtet werden, ohne die Arbeitsplatzqualität zu beeinträchtigen. Auffällig ist zudem, dass sich Fluktuation und Krankheitsquote rückläufig entwickeln – ein Indiz dafür, dass moderne Arbeitswelten nicht nur funktional, sondern auch gesundheitsförderlich wirken.
Bemerkenswert ist die Resonanz über den Kreis hinaus: Mehr als hundert Delegationen haben das Konzept inzwischen besucht, viele prüfen eine Übertragung auf ihre eigenen Häuser.
Was Kommunen aus diesem Projekt lernen können
Der Rems-Murr-Kreis zeigt beispielhaft:
- Digitalisierung und Raum gehören zusammen.
Eine digitale Akte nützt wenig, wenn Arbeitsumgebungen sie nicht unterstützen.
- Sicherheit und Bürgerorientierung müssen in Raumstrukturen gedacht werden.
Das Drei-Zonen-Modell schafft beides zugleich.
- Mitarbeitende sind entscheidend für Akzeptanz.
Frühe Beteiligung zahlt sich aus.
- Auch Bestandsgebäude lassen sich modernisieren.
Der Kreis beweist, dass Zukunft nicht nur in Neubauten entsteht.
Fazit
Das Drei-Zonen-Konzept ist weit mehr als ein Umbauprojekt. Es ist ein Ansatz, der Verwaltung ganzheitlich denkt: bürgerfreundlich, sicher, digital und zukunftsfähig. Der Rems-Murr-Kreis zeigt damit, wie strukturelle Modernisierung aussehen kann – und warum sie ein entscheidender Baustein der Digitalisierung ist.
Ein Modell mit Vorbildcharakter – für alle, die Verwaltung neu denken wollen.
